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Molten„Unser Ziel ist es, den Sport und die Menschen, die ihn ausüben, ganzheitlich zu fördern.“

Juni 25, 2026 by Björn Eichstädt, Miki Uchida und Emily Bischof

Die 1958 in Hiroshima gegründete Molten Corporation hat sich von einem kleinen Gummiproduzenten der Nachkriegszeit zu einem international führenden Hersteller von Sportbällen entwickelt. Heute ist das Unternehmen der exklusive Ballausstatter für den FIBA-Basketball, den Internationalen Handballverband und Dutzende von nationalen Ligen auf der ganzen Welt. Obwohl die Marke unter Sportlern bekannt ist, kennen nur wenige ihren Weg vom Völkerball-Hersteller bis in die olympische Arena. J-BIG sprach mit Akinobu Izumi, Geschäftsführer der Molten Europe GmbH in Düsseldorf, über die Anfänge des Unternehmens in der Gummiindustrie Hiroshimas, die parallelen Geschäftszweige als Zulieferer für die Automobil-, Gesundheits- und Bauindustrie, die sorgfältige Strategie, mit der Molten über vier Jahrzehnte hinweg einen europäischen Markt aufgebaut hat, und darüber, warum das Unternehmen seinen Fokus nun vom Spitzen- auf den Breitensport verlagert.

J-BIG: Molten wurde gut zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Hiroshima gegründet. Wie kam es dazu, und warum lag der Schwerpunkt auf Sportausrüstung, insbesondere auf Bällen?

Akinobu Izumi: Molten wurde am 1. November 1958 von Kiyoshi Nobori in Hiroshima gegründet, einer der führenden Regionen Japans in der Gummiverarbeitung. In der Nachkriegszeit, in der der Wiederaufbau des Landes im Vordergrund stand, legte die japanische Regierung besonderen Wert auf Bildung und die körperliche Entwicklung von Kindern. Sport wurde als wesentlicher Bestandteil des Wiederaufbauprozesses angesehen. Die Nachfrage nach Sportartikeln aller Art war groß, und Kiyoshi Nobori erkannte die Chance, Hiroshimas Fertigungskompetenz zu nutzen, um zum Wiederaufbau der japanischen Nachkriegsgesellschaft beizutragen. Sein Ziel war es, Kindern die Möglichkeit zu geben, zu spielen, sich sportlich zu messen und sich weiterzuentwickeln.

Unser allererstes Produkt war ein Völkerball, denn das Spiel war damals an japanischen Schulen enorm beliebt. Innerhalb weniger Jahre hatten wir Bälle für Volleyball, Basketball und Handball entwickelt, die den nationalen Standards entsprachen und von den jeweiligen Sportverbänden zertifiziert wurden. Weniger bekannt ist vielleicht, dass wir 1959, also fast zeitgleich, auch mit der Produktion von Gummikomponenten für die Automobilindustrie begannen. Hiroshima ist die Heimat von Mazda, und um das Unternehmen herum hatte sich ein ganzes Ökosystem von Zulieferern gebildet. Unser Know-how im Bereich Gummi ließ sich nahtlos von einem Bereich auf den anderen übertragen. Von Anfang an war Molten daher in zwei unterschiedlichen, sich jedoch ergänzenden Bereichen tätig: Sportausrüstung und Automobilteile. Diese beiden Säulen sind bis heute von zentraler Bedeutung für das Unternehmen, auch wenn wir in den letzten Jahren unser Geschäftsfeld durch den Einstieg in den Gesundheits- und Bausektor erweitert haben.

Akinobu Izumi berichtet wie Molten in der Nachkriegszeit gegründet wurde. // Fotoserie: Maximilian von Lachner
J-BIG: Wie ging es dann weiter? Nachdem Sie Bälle nach nationalen Standards für den japanischen Markt entwickelt hatten, wandte sich Molten dem internationalen Markt zu?

Akinobu Izumi: Ja, nachdem wir zertifizierte Bälle für alle wichtigen Ballsportarten in Japan entwickelt hatten, entwickelten wir im nächsten Schritt Produkte, die auch auf internationaler Ebene bestehen konnten. Im Jahr 1969 wurde unser Volleyball von der Internationalen Volleyball-Föderation (FIVB) als „offizieller Ball“ zertifiziert. Unser Basketball und unser Fußball folgten 1973, und 1975 wurde unser Handball zertifiziert. Damit hatten wir bewiesen, dass wir bereit waren, uns auf der internationalen Bühne zu behaupten.

Ein wichtiger Schritt für das Wachstum unseres Auslandsgeschäfts war unsere enge Beziehung zu adidas, die bis in diese Zeit zurückreicht. 1979 ging Molten eine Partnerschaft mit adidas ein und unterzeichnete einen Lizenzvertrag für den „Tango“-Fußball. Das ebnete den Weg für einen weiteren Lizenzvertrag für das Ballgeschäft von adidas, sodass wir seitdem als offizieller Distributor in Japan die Bälle von adidas vertreiben. Diese Partnerschaft wurde im Laufe der Zeit immer enger und hat uns immens dabei geholfen, die globale Fußballproduktion und das internationale Sportmarketing zu verstehen. Das hat sich als unschätzbar wertvoll erwiesen.

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J-BIG: Wie läuft das Zertifizierungsverfahren für Bälle für internationale Wettkämpfe ab?

Akinobu Izumi: Das Fundament bildet der „zertifizierte Ball“. Diese Bezeichnung erhalten Bälle, die Qualitätsstandards eines internationalen oder nationalen Sportverbands erfüllen. Dabei geht es vor allem darum, bestimmte Vorschriften einzuhalten und Belastungstests zu bestehen. Zertifizierte Bälle bieten den Spielern eine verlässliche Qualitätsgarantie und werden häufig im Freizeitsport, im Schulsport und im Training von Amateurvereinen eingesetzt. Mit einigen Ausnahmen ist es aber nicht sehr schwierig, diese Standards zu erfüllen. Hunderte von Herstellern weltweit konkurrieren in dieser Kategorie miteinander.

Die von den Sportverbänden festgelegten „offiziellen Spielbälle” sind dagegen etwas ganz Besonderes. Für eine festgelegte Saison oder einen bestimmten Wettbewerb benennen die meisten internationalen Verbände und Profiligen einen einzigen Hersteller als exklusiven Lieferanten des Balles, der während dieser Zeit verwendet wird. Das ist eine vertragliche Vereinbarung, und zu jedem Zeitpunkt kann nur eine Marke diese Position innehaben. Dabei reicht es nicht aus, einfach die Standards von zertifizierten Bällen zu erreichen: Eine Marke muss zudem Vertrauenswürdigkeit, Anerkennung bei Spielern und Trainerstab, zuverlässige Lieferkapazitäten sowie gleichbleibende Qualität unter allen Bedingungen nachweisen.

Für einen Hersteller ist es von enormer Bedeutung, das Exklusivrecht für die Bereitstellung des offiziellen Spielballs zu erhalten, denn damit ist nicht nur Prestige verbunden. Der eigentliche Wert liegt in dem damit verbundenen Dominoeffekt: Die Nachfrage nach diesem Ball breitet sich von der Spitzenklasse bis hinunter in den Breitensport aus.

Molten hat bereits viele offizielle Spielbälle geliefert.
J-BIG: Gab es einen bestimmten Meilenstein, der dazu beigetragen hat, dass das Unternehmen international bekannter wurde?

Akinobu Izumi: Der entscheidende Moment kam 1980, als unser Basketball zum offiziellen Spielball der FIBA-Basketball-Weltmeisterschaft der Männer 1982 in Kolumbien gewählt wurde. Ein Jahr später, 1981, wurde er zum offiziellen Ball der Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles bestimmt. Diese beiden Entscheidungen haben unser Unternehmen grundlegend verändert. Von diesem Zeitpunkt an stand der Molten-Basketball auf der internationalen Bühne. Die Ehre und Verantwortung, von der FIBA ausgewählt worden zu sein, war unser Durchbruch. Es bestätigte alles, was wir seit 1958 aufgebaut hatten. Wenn ein Ball bei einer Meisterschaft dieser Größenordnung zum Einsatz kommt, wollen die Teams mit demselben Ball trainieren, den sie im Spiel verwenden werden, Vereine kaufen ihn, Spieler gewöhnen sich daran, und der Einzelhandel folgt. Dieser pyramidenförmige Nachfrageeffekt ist das Herzstück unserer globalen Geschäftstätigkeit, und jeder Verbandvertrag, den wir abschließen, hat Auswirkungen, die weit über die Veranstaltung selbst hinausreichen.

J-BIG: Wie ist Molten heute strukturiert? In welchen Geschäftsbereichen ist das Unternehmen tätig, und wie groß ist es?

Akinobu Izumi: Heute sind wir in vier Geschäftsbereichen tätig. Der Geschäftsbereich Sport ist unser wichtigster. Der Geschäftsbereich Automobilteile besteht seit 1959 und beliefert weiterhin vor allem japanische Fahrzeughersteller mit Gummi- und Kunststoffkomponenten. Im Jahr 2002 gründeten wir den Geschäftsbereich Medizintechnik, in dem wir in Zusammenarbeit mit universitären Forschungseinrichtungen medizinische Matratzen und Druckentlastungssysteme für Krankenhäuser entwickeln. Und erst kürzlich haben wir unser Angebot auf Produkte für den Bausektor ausgeweitet – erdbebensichere Gummimaterialien für Brücken, Pfeiler und andere Bauanwendungen. In jedem Geschäftsbereich ist unser Engagement dasselbe. Wir wollen beste Qualität liefern und unser jahrzehntelanges Fachwissen und unsere Erfahrung einbringen.

Unser konsolidierter Umsatz belief sich im Geschäftsjahr 2025 auf rund 69,9 Milliarden Yen. An unserem japanischen Hauptsitz beschäftigen wir rund 674 Mitarbeiter, weltweit sind es einschließlich unserer ausländischen Werke und Tochtergesellschaften rund 3.100. Außerhalb Japans betreiben wir insgesamt zehn Standorte: vier im Sportbereich – in den Vereinigten Staaten, hier in Europa sowie unsere Produktions- und Vertriebsstandorte in Thailand und China – und sechs für unsere Industriebereiche, verteilt auf Nordamerika, Mexiko, Thailand, China, Vietnam und Indonesien, wo wir im vergangenen Jahr eine neue Repräsentanz eröffnet haben. Nach japanischen Industriestandards sind wir kein Großunternehmen, aber in den Segmenten, in denen wir tätig sind, ist unsere Position sehr stark.

J-BIG: Molten eröffnete 1982 seine erste internationale Niederlassung in Düsseldorf. Warum gerade Deutschland, und warum zu diesem Zeitpunkt?

Akinobu Izumi: Die Gründe dafür lagen auf der Hand. Nahezu alle großen internationalen Sportverbände – für Basketball, Handball, Volleyball – haben ihren Sitz in Europa. Wenn Molten auf Verbandsebene an Glaubwürdigkeit und Bekanntheit gewinnen wollte, brauchte es eine Präsenz hier. Europa war und ist nach wie vor das Zentrum des organisierten Breitensports. Düsseldorf mit seiner bedeutenden japanischen Geschäftswelt und seiner zentralen Lage bot sich als Standort geradezu an.

Miki Uchida möchte erfahren, warum Deutschland als erster internationaler Standort gewählt wurde.

Aber wir sollten ehrlich sein: Die Anfänge waren bescheiden. Die Molten Europe GmbH wurde erst 1991 offiziell als Tochtergesellschaft gegründet. Das war fast ein Jahrzehnt nach der Eröffnung der Repräsentanz, und selbst damals gab es nur drei oder vier Mitarbeiter. Die ersten Jahre waren wirklich schwierig: ein kleines Büro, ein kleiner Lagerbestand und eine Marke, die die meisten europäischen Einzelhändler noch nie gesehen hatten. In diesen Jahren ging es vor allem darum, überhaupt Beziehungen aufzubauen. Wir besuchten Sportfachhändler und wandten uns an Vereine, um sie von der Qualität unserer Produkte zu überzeugen.

J-BIG: Wie hat es Molten geschafft, seinen Marktanteil in Deutschland und ganz Europa auszubauen?

Akinobu Izumi: Mit viel Geduld und Konsequenz. Molten hat nie auf große Werbekampagnen oder Sponsoring im Rundfunk gesetzt. Unser Ansatz basiert auf persönlichem Kontakt. In Japan besucht unser Vertriebsteam regelmäßig Schulen, da der Schulsport – die „Bukatsu“-Clubkultur – der dominierende Markt ist. In Deutschland spiegeln wir diese Strategie mit dem „Verein“, dem lokalen Sportverein, wider. Wir bauen eine Beziehung auf, stellen unsere Produkte vor und lassen die Produkte dann für sich selbst sprechen. Mit der Zeit verbreitet sich der gute Ruf. Das gleiche Modell verfolgen wir in Thailand, China oder den USA.

Verträge für offizielle Spielbälle waren in diesem Prozess entscheidend. Als wir Vereinbarungen mit den deutschen Volleyball- und Handball-Ligen abschlossen, wurden diese Partnerschaften zu wichtigen Referenzen. Eine Liga, die mit einem Molten-Ball spielt, wird zum Beweis für dessen Qualität. Andere Vereine nehmen das wahr. Dieser Ansatz hat sich mittlerweile über dreißig Jahre bewährt. Heute ist Molten in Deutschland in den Sportarten Basketball, Volleyball und Handball eine weit verbreitete Ballmarke. Zu unseren aktuellen Vertragspartnern in Deutschland gehören die DBBL, die Frauen-Basketballliga, und auf internationaler Ebene bleiben unsere Beziehungen zur FIBA und zur IHF unsere Anker.

Die Zeit nach der Pandemie war für uns besonders erfolgreich. Der Umsatz von Molten Europe hat sich im Vergleich zum Niveau vor der Corona-Pandemie fast verdoppelt und dieser Zuwachs konnte weitgehend gehalten werden. Die Störungen in den globalen Lieferketten haben sich sogar zu unserem Vorteil ausgewirkt. Da Molten die gesamte Wertschöpfungskette – von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum Vertrieb – selbst steuert, konnten wir die Lieferkontinuität aufrechterhalten, was einigen Wettbewerbern nicht gelang. Diese Zuverlässigkeit haben unsere Partner positiv wahrgenommen.

Der grün-weiß-rote Molten-Volleyball hat ein markantes Erscheinungsbild.
J-BIG: Molten ist auch in der japanischen Popkultur durch Sport-Animes und -Mangas präsent. Hatte das Auswirkungen darauf, wie die Marke in Europa wahrgenommen wird?

Akinobu Izumi: Das ist ein echter und wachsender Trend. Unser Volleyball hat eine sehr markante Optik: Die Farben Grün, Weiß und Rot wechseln sich in einer dynamischen Zwölf-Felder-Konstruktion ab. Dieses Design ist sofort erkennbar, sei es auf dem Spielfeld oder in den Medien. In der international sehr populären Volleyball-Manga- und Anime-Serie „Haikyuu!!“ ist unser Ball zu sehen; wir haben deswegen direkt mit dem Verlag zusammengearbeitet. Und auch in „Slam Dunk“, der Basketballserie, die weltweit eine ganze Generation von Fans geprägt hat, kommen Molten-Basketbälle vor. Molten war nämlich der offizielle Spielball für japanische Highschool-Basketballwettbewerbe, die auch das Setting der Geschichte sind.

In Japan haben wir in Zusammenarbeit mit der Lizenz- und Produktionsagentur von „Slam Dunk“-Schöpfer Takehiko Inoue sogar einen limitierten Jubiläumsball produziert: eine originalgetreue Nachbildung des Vintage-Balls, der in der im Manga dargestellten Ära der Highschool-Meisterschaften verwendet wurde. Solche kulturellen Verbindungen lassen sich nicht mit Geld kaufen. Sie sind ganz natürlich entstanden, weil unsere Bälle tatsächlich in den realen Turnieren eingesetzt wurden, die als Inspiration für die Geschichte dienten. Dies zeigt auch, dass die Markenbekanntheit von Molten nicht durch bloße Werbung, sondern durch den Sport selbst und die Erfahrung des aktiven Spielens aufgebaut wurde.

Der „Slam Dunk“-Jubiläumsball ist beim Interview auch dabei.
J-BIG: Konzentriert sich die Entwicklung neuer Bälle auf die Zentrale in Japan?

Akinobu Izumi: Entscheidungen zur Produktentwicklung und Fertigung werden in Japan getroffen. Die meisten unserer in Europa verkauften Bälle werden in unserem Werk in Thailand hergestellt; bestimmte handgenähte Produkte beziehen wir aus Pakistan.

Molten arbeitet mit internationalen Verbänden und Materialspezialisten zusammen, um die besten Materialien für die Bälle zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht dabei stets die Frage, was unsere Kunden wirklich brauchen. Ein Beispiel dafür ist unser harzfreier Handball. Handballspieler tragen Kiefernharz auf ihre Hände auf, um den Griff zu verbessern, doch Kiefernharz kann den Boden von Sporthallen verschmutzen. In Japan ist es in einigen Sporthallen verboten, Kiefernharz zu benutzen, da es schwer zu reinigen ist. Wir haben gemeinsam mit dem Internationalen Handballverband einen Ball entwickelt, dessen Oberflächeneigenschaften den erforderlichen Griff ohne Kiefernharz gewährleisten.

Bei der Produktentwicklung berücksichtigt unsere Zentrale nicht nur die Entwicklungen in Japan, sondern auch globale Trends und Bedürfnisse. Unsere internationalen Tochtergesellschaften spielen hier als Informationsquellen eine wichtige Rolle.

J-BIG: Welche Rolle spielt Molten Europe innerhalb der übergeordneten Unternehmensstruktur?

Akinobu Izumi: Wir sind ein eng vernetztes Team von elf Mitarbeitern bei Molten Europe. Wir sind für den Vertrieb und die Vermarktung in ganz Deutschland sowie in Osteuropa verantwortlich, einschließlich Polen und den baltischen Staaten. Darüber hinaus pflegen wir in diesem Gebiet unsere Beziehungen zu Verbänden und Ligen.

Björn Eichstädt interessiert sich für die Beziehung zwischen Molten Europe und der japanischen Zentrale.

Aber unsere Aufgabe geht über den reinen Vertrieb hinaus. Wir sammeln Informationen und berichten über relevante Entwicklungen, wie beispielsweise regulatorische Änderungen auf dem europäischen Markt. Die großen internationalen Sportverbände haben ihren Sitz in Europa und die europäischen regulatorischen Standards gehören weltweit zu den strengsten, wenn es um die Einhaltung von Materialvorschriften geht, beispielsweise hinsichtlich der bei der Ballherstellung verwendeten Chemikalien. Über unser Büro in Deutschland verfügen wir über enge Verbindungen zum europäischen Markt und berichten regelmäßig über Entwicklungen an unsere Zentrale.

Akinobu Izumi stellt die innovativen Produkte von Molten vor, darunter den harzfreien Handball „d60 PRO“.

J-BIG: Molten hat kürzlich seine Markenvision neu definiert. Was hat sich strategisch geändert, und in welche Richtung steuert das Unternehmen?

Akinobu Izumi: Lange Zeit hat Molten nach der Philosophie „For the real Game“ operiert. Wir haben uns darauf konzentriert, Produkte zu entwickeln, die es Spielern und Schiedsrichtern ermöglichen, ihr Bestes zu geben. Wir haben den bestmöglichen Ball für den Spitzensport hergestellt, die Verträge mit den Verbänden gewonnen und die Qualität für sich sprechen lassen. Dieser Ansatz hat uns einen hervorragenden Ruf eingebracht. Aber es ist auch ein Top-down-Modell, und der Markt um uns herum hat sich verändert.

Die neue Markenausrichtung stellt den Breitensportler in den Mittelpunkt. Sie verlagert unseren Fokus von der Meisterschaftsarena auf den lokalen Verein, die Jugendmannschaft und die Amateure, die ihren Sport lieben. Das bedeutet, dass unsere Strategie nicht mehr nur von Verbandsaufträgen getrieben ist, sondern den direkten Kontakt zu den Endnutzern sucht.

Dazu gehören auch die sozialen Medien. Hier treten wir nicht nur über webbasierte Kampagnen mit Sportlern aller Leistungsklassen in Kontakt, sondern sammeln durch interaktive Initiativen auch Ideen und Impulse. Ein Beispiel: Anlässlich der Handball-Weltmeisterschaft der Frauen haben wir über soziale Medien und per Videoeinreichung einen Wettbewerb veranstaltet, bei dem Jugendmannschaften eine Einladung zu einer Führung hinter die Kulissen der Meisterschaft gewinnen konnten. Ähnliches haben wir auch im Bereich Basketball gemacht.

Aber es geht noch weiter. Wir wollen mehr sein als nur ein Ballhersteller. Unser Ziel ist es, den Sport und die Menschen, die ihn ausüben, ganzheitlich zu fördern. Lassen Sie mich anhand von zwei spannenden neuen Projekten erklären, was das bedeutet.

Da ist zum einen die Geschäftsinitiative „B+“, die uns nicht nur dabei hilft, neue Kunden zu erreichen, sondern auch dazu beiträgt, den Sport zu verbreiten. Dazu gehören unsere tragbare Spielanlage sowie eine Wurfmaschine für Basketball. Wir laden einen aufrollbaren Basketballplatz und Körbe auf einen Lkw, fahren dorthin, wo Menschen einen Sportplatz brauchen, und innerhalb von etwa zwei Stunden haben wir eine voll bespielbare Fläche aufgebaut. Damit ist keine feste Infrastruktur mehr erforderlich – wir schaffen die Voraussetzungen für Sport dort, wo es sie sonst nicht gäbe. Das spiegelt genau wider, wohin wir die Marke führen wollen.

Zweitens haben wir „MY FOOTBALL KIT“ entwickelt. Damit können Kunden aus 54 Einzelteilen in nur drei verschiedenen Formen ihren eigenen luftlosen Fußball zusammenbauen, inspiriert von der Struktur eines traditionellen japanischen Bambusballs. Das Produkt hat eine pädagogische und eine soziale Dimension und ermöglicht eine direkte haptische Interaktion, die kein herkömmliches Einkaufserlebnis im Einzelhandel bieten kann. Wir haben diese neue Produktreihe bereits erfolgreich in Japan eingeführt und freuen uns darauf, sie nun auch nach Deutschland zu bringen. Sie stellt einen bewussten Schritt hin zu einem umfassenderen Verständnis dessen dar, was Molten zu bieten hat – nicht nur Ausrüstung, sondern Erlebnisse, die Menschen inspirieren, eine dauerhafte Beziehung zu ihrem Lieblingssport aufzubauen.

J-BIG: Was sind Ihre konkreten Ziele für Molten Europe in den nächsten Jahren?

Akinobu Izumi: Unser Ziel ist klar: Wir wollen in den von uns bedienten Sportarten die Nummer eins unter den Ballmarken in Deutschland und Europa sein. Um das zu erreichen, müssen wir einerseits unseren traditionellen Ansatz fortsetzen, indem wir Verträge mit Ligen und Verbänden abschließen, und andererseits parallel dazu eine neue Breitensport-Dimension aufbauen.

Wenn ich auf die mehr als vierzig Jahre zurückblicke, die Molten inzwischen in Deutschland aktiv ist, macht mich vor allem eines stolz: Unser Ruf beruht ausschließlich auf der Qualität unserer Produkte und auf dem Vertrauen der Menschen, die mit ihnen spielen. Wir haben unsere Position nicht durch Werbebudgets erreicht. Wir haben sie erreicht, weil unsere Bälle überzeugen, weil unsere Beziehungen authentisch sind und weil wir über Jahrzehnte hinweg beständig geblieben sind.

Von olympischen Finals bis hin zu Schulturnhallen in ganz Europa ist es unser Ziel, dass die Menschen ganz selbstverständlich zu einem Molten-Ball greifen, wo immer Sport getrieben wird. Im nächsten Kapitel geht es darum, dieses Vertrauen auf eine breitere Gemeinschaft auszuweiten. Wir werden eine Reihe von Produkten und Initiativen präsentieren – über Bälle hinaus –, die sich durch Sport mit sozialen Themen und praktischen Herausforderungen vor Ort befassen. Unser Ziel ist es, nicht nur als Ballhersteller, sondern als sozialengagierte Marke im Mannschaftssport anerkannt zu werden.

Als sozial engagierte Marke möchte Molten einen Beitrag zum Sport und darüber hinaus leisten.

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