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Kyocera Europe„Erfolg ist das Produkt aus Fähigkeiten, Einsatz und innerer Einstellung.“

November 26, 2025 by Bjoern Eichstaedt and Emily Bischof

Kyocera ist ein über 60 Jahre altes japanisches Technologieunternehmen, das sich rasant von einem lokalen Keramikhersteller in Kyoto zu einem globalen Anbieter von Hochleistungskeramik entwickelt hat, der in vier Hauptmärkten aktiv ist: In der Automobilbranche, der Informations- und Kommunikationstechnik, dem Medizin- und Gesundheitswesen sowie in dem Komplex Umwelt und Energie. Als weltweit führender Anbieter von Komponenten aus Hochleistungskeramik bietet Kyocera verschiedenste Keramikwerkstoffe sowie modernste Technologien und Services an. Die KYOCERA Europe GmbH steuert von Esslingen am Neckar die Geschäfte an 29 europäischen Standorten und Produktionsstätten. J-BIG sprach mit Rafael Schröer, Geschäftsführer der KYOCERA Europe GmbH, über die philosophischen Grundlagen des Unternehmens, die Geschichte der Internationalisierung, das Europageschäft und die Zukunft von Keramiktechnologien.

J-BIG: Herr Schröer, erzählen Sie uns über die Anfänge des Unternehmens.

Rafael Schröer: Unser Unternehmen wurde 1959 von Dr. Kazuo Inamori im Alter von 27 Jahren gegründet. Der Weg bis zur Gründung war für ihn davor kein leichter. In jungen Jahren litt er an Tuberkulose und nach dem Studium hatte er große Schwierigkeiten, einen ersten Job zu finden. Als er schließlich in Kyoto eine Stelle bei einem finanziell schwach aufgestellten Keramikunternehmen gefunden hatte, gab es kaum Gelegenheiten sein Wissen aus dem Studium einzubringen. Daraufhin beschloss er, in Kyoto ein eigenes Unternehmen zu gründen, das sich auf Feinkeramik spezialisierte: die Kyoto Ceramic Co., Ltd., heute KYOCERA Corporation.

Schon zu Beginn gab es 28 Mitarbeitende, sieben davon waren enge Vertraute von Dr. Inamori, und es gab ein Startkapital von etwa 3 Millionen Yen dank Investoren wie Miyagi Electric. Von Anfang an war es Dr. Inamoris Ziel, das beste Keramikunternehmen aufzubauen; erst in der Region, dann in Japan und schließlich weltweit. Seit unserer Gründung ist Kyocera nicht nur stark gewachsen, sondern hat als Gesamtkonzern auch immer schwarze Zahlen geschrieben, was wir als einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft ansehen.

Mit einem Einblick in die Unternehmensgeschichte geht es los: Von Anfang an hatte sich Kyocera ehrgeizige Ziele gesetzt, erzählt Rafael Schröer. // Fotoserie: Maximilian von Lachner
J-BIG: Wie hat sich Kyocera seit der Gründung genau entwickelt?

Rafael Schröer: Zu unseren ersten Kunden in der Kansai-Region zählte das Unternehmen Matsushita Electric, heute Panasonic, dem wir eine zu drei Vierteln geschlossene, kleine Keramikröhre als Isolator für dessen damalige Röhrenfernseher lieferten. Dadurch konnte Kyocera schnell wachsen. Bereits ein Jahr nach der Firmengründung wurde ein Büro in Tokyo eröffnet und nur zehn Jahre später, im Jahr 1969, KYOCERA International, Inc. als nordamerikanische Vertriebsgesellschaft gegründet.

Der Schritt in Richtung Internationalisierung und Amerika erfolgte zusammen mit den ersten Schritten des Silicon Valley. Zunächst flog Dr. Inamori mit einer kleinen Mannschaft nach Amerika, um sich nach potenziellen Kunden umzuschauen. Keramikmaterialien für den damals aufkommenden Bau von Halbleiterchips waren als Gehäuse-, Basis- oder Trägermaterial sehr gefragt. Parallel dazu erlebte die Automobilindustrie weltweit einen großen Aufschwung und als Zulieferer wichtiger Keramikkomponenten profitierte auch unser Unternehmen von dieser Hochkonjunkturphase. Das hat es ermöglicht, sich schnell und nachhaltig global zu etablieren.

J-BIG: Das heißt, Kyocera hatte vorwiegend eine Zuliefererposition, oder gab es auch eigene Endkundenprodukte?

Rafael Schröer: Als bald darauf auch die Unterhaltungselektronik einen starken Aufschwung erlebte, brachte Kyocera ab den 1980er Jahren auch Endkundenprodukte wie Audioequipment, Kameras oder Mobiltelefone auf den Markt.

J-BIG: Wann folgte der Schritt nach Europa?

Rafael Schröer: Unser Eintritt in den europäischen Markt erfolgte 1971. Nachdem wir eine Präsenz im amerikanischen Markt aufgebaut hatten, war es für unseren Gründer, der von Anfang an eine weltweite Expansion geplant hatte, nur naheliegend, den Blick nach Europa zu wenden.

Für die Gründung einer Niederlassung sprach er die damalige Firma Feldmühle, die heutige CeramTec, in Plochingen an – einen direkten Wettbewerber. Gemeinsam gründeten die beiden Unternehmen dann ein eigenständiges Vertriebs-Joint Venture, die Feldmühle Kyocera Europa Elektronische Bauelemente GmbH, kurz FM/KC. Das ist auch der Grund, warum wir heute noch in Esslingen angesiedelt sind und nicht, wie viele andere japanische Unternehmen, in Düsseldorf oder München. Die FM/KC vertrieb sowohl Produkte von Feldmühle als auch von Kyocera. Einige Mitarbeitende von Feldmühle wechselten in das Joint Venture und anschließend kamen auch die ersten japanischen Kollegen als Expats nach Deutschland.

J-BIG: Wie ist aus dem Joint Venture die heutige KYOCERA Europe GmbH entstanden?

Rafael Schröer: Das Joint Venture war etwa 20 Jahre lang erfolgreich. 1991 entstand aus FM/KC schließlich die KYOCERA Fineceramics GmbH, die 2020 in KYOCERA Europe GmbH umbenannt wurde. Grund für die Umbenennung ist unsere breite Produktaufstellung. In unserer Europazentrale sind zehn verschiedene Produktdivisionen vertreten. Dazu zählen beispielsweise die Semiconductor-, die Optische Komponenten- und die Display-Abteilung. Da wir damit diverse Marktbereiche abdecken, die nicht alle offensichtlich mit Feinkeramik assoziiert werden, haben unsere Visitenkarten, auf denen „KYOCERA Fineceramics GmbH“ stand, bei unseren Kunden manchmal für Verwirrung gesorgt. Darum haben wir durch die Umbenennung versucht, solchen Missverständnissen vorzubeugen.

Björn Eichstädt will genau wissen, wie sich Kyocera in Deutschland etabliert hat.
J-BIG: Sie meinen, dass Keramik oft an Stellen eingesetzt werden kann, an denen der Kunde nicht damit rechnet? Was macht Keramik besser als andere Materialien?

Rafael Schröer: Genau. Keramik zeichnet sich durch hohe Präzision, chemische Stabilität und Beständigkeit bei hohen Temperaturen aus. Chemische Beständigkeit bedeutet, dass sie nur wenig auf äußere Chemikalieneinwirkungen reagiert. Ein wichtiger Faktor bei Keramiken im Vergleich zu Metallen, die an gleichen Orten eingesetzt werden, ist sicherlich die elektrische Isolierung. Hinzu kommt außerdem ihre Wärmeisolationsfähigkeit. Außerdem ist Keramik sehr hart. In der Textilindustrie etwa entsteht durch den Einsatz von Keramik in Umlenkrollen weniger Abrieb und somit weniger Staub.

Oftmals wissen unsere Kunden gar nicht, dass Keramik eine Lösung für ihr Problem bieten kann, da sie nur die herkömmlichen Lösungen kennen. Als Keramikspezialist ist es unsere Aufgabe, die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von Keramik in innovativen Problemlösungen zu integrieren und dann den Blick darauf zu lenken. Auch im Hinblick auf Gesellschaft und die Umwelt ist das wichtig.

Keramik bietet viele Vorteile, doch oft wissen potenzielle Kunden noch gar nicht, wie vielfältig sie eingesetzt werden kann.

J-BIG: Wenn die Kunden noch gar nicht wissen, dass sie Keramik brauchen, wie kommen sie dann mit Ihnen zusammen?

Rafael Schröer: Das ist die große Herausforderung für unseren Vertrieb, bietet aber auch fast endlose Möglichkeiten, da es immer neue Anwendungen gibt. Als eher konservativ aufgestelltes japanisches Unternehmen vermarkten wir uns eher zurückhaltend. Trotzdem möchten wir der Industrie zeigen, was Keramik alles kann. Wir gehen nicht nur zum Ausstellen auf Messen, sondern auch um Kunden zu suchen, die unsere Produkte benötigen, ohne dass sie davon wissen. Das Schöne daran ist: Es gibt noch immer einen großen, unerschlossenen Markt für Keramiklösungen. Und wir zeigen unseren Kunden diese neuen Möglichkeiten.

J-BIG: In welchen Produkten sind Ihre Keramikprodukte klassischerweise zu finden?

Rafael Schröer: Unsere Produktpalette reicht von Feinkeramikkomponenten für die Industrie bis hin zu Konsumgütern wie Küchen- und Büroartikeln. Als einer der weltweit führenden Anbieter von Hochleistungskeramik-Komponenten für die Technologieindustrie bietet Kyocera heute über 200 verschiedene Keramikwerkstoffe sowie modernste Technologien und Services, die auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Märkte zugeschnitten sind. Unser Fokus liegt auf vier Märkten: Information und Kommunikation, Automobilbranche, Umwelt und Energie sowie Medizin und Gesundheitswesen.

Zu den Produkten für Information und Kommunikation zählen beispielsweise Komponenten für Mobiltelefone, wie Keramikgehäuse für Halbleiterchips. Wir stellen auch Druckköpfe für den Thermodruck her, die beispielsweise bei Lebensmittelverpackungen zum Bedrucken des Ablaufdatums oder bei Parktickets zum Einsatz kommen. Für die Automobilbranche liefern wir unter anderem Glühstifte für Automobilheizungen, Sensortechnologie für autonomes Fahren sowie Keramikkomponenten für den Motorantrieb und die Ladestromschaltung in Elektrofahrzeugen. Unsere Komponenten für Einspritzpumpen bieten zum Beispiel den Vorteil, dass möglichst wenig Diesel eingespritzt wird. Wir liefern aber nicht nur Produkte für die Automobilbranche, sondern auch für die gesamte Luftfahrt: von Werkzeugen für den Turbinenbau bis hin zu Komponenten in Satelliten. Im Bereich Umwelt und Energie entwickeln wir Systemlösungen inklusive Brennstoffzellen. Bedeutend sind auch unsere Tintenstrahldruckköpfe für die Textilindustrie, da im Vergleich zum herkömmlichen Textildruck deutlich weniger Wasser und Farbe benötigt werden. Für das Gesundheitswesen stellen wir unter anderem Komponenten für Kernspintomographen her. Aktuell bauen wir eine neue Produktion in Waiblingen bei Stuttgart für Keramikkugelköpfe, die in Hüftimplantaten eingesetzt werden, auf. Der Markt für Keramikhüftgelenkkugeln wächst weltweit, welchen wir aus dieser neuen Produktion heraus bedienen werden.

J-BIG: Zu den Zahlen: Wie viele Mitarbeiter hat die KYOCERA Europe GmbH und welchen Anteil am globalen Gesamtumsatz hat sie?

Rafael Schröer: Von unserem europäischen Hauptsitz in Esslingen am Neckar aus betreibt die KYOCERA Europe GmbH 29 Standorte, inklusive Produktionsstätten. Insgesamt beschäftigen wir bei der Europe GmbH etwa 1.600 Mitarbeitende, davon rund 100 hier in der Zentrale und etwa 700 in Deutschland.

Was den Umsatz angeht, ist es schwierig, genaue Zahlen zu nennen, da wir zehn Produktabteilungen haben, von denen manche einen größeren Anteil von bis zu 30 Prozent und manche einen kleineren Anteil von vielleicht 5 Prozent zu unserem Geschäft beisteuern. Besonders stark sind beispielsweise die Bereiche Feinkeramik, Industriewerkzeuge, Halbleiter und Druckköpfe.

 

Mit der neuen Produktionsstätte für Keramikkugelköpfe in Waiblingen bei Stuttgart ist der europäische Hauptsitz gut aufgestellt.
J-BIG: Wie nehmen Sie die aktuellen Veränderungen in den verschiedenen Industrien wahr und welche Auswirkungen haben diese auf Ihr Geschäft?

Rafael Schröer: Gerade im Automobilbereich gibt es natürlich große Veränderungen, weshalb wir unser Produktportfolio stetig an die Entwicklungen in der Industrie anpassen. Wie in der Elektronikindustrie üblich, wird versucht, auf möglichst kleinem Raum möglichst viel Leistung zu erzielen. Das hat zur Folge, dass zu viel Hitze entsteht, die gekühlt werden muss. Deshalb entwickeln wir unter anderem Keramiklösungen zur Kühlung von Leistungselektronik.

Ein anderer Bereich ist der Ticketdruck. Dieser wird in Zukunft sicher mehr und mehr wegfallen, da Tickets immer häufiger digital verfügbar sind. Zwar merken wir noch keinen Rückgang der Nachfrage nach unseren Thermodruck-Produkten, aber erwarten diese Umstellung. Dafür gibt es aber auch neue Geschäfts- und Anwendungsfelder. Der Tintenstrahldruck eröffnet der Automobilindustrie neue Möglichkeiten, beispielsweise die Lackierung eines Autos zu individualisieren, sodass auf einzelne Kundenwünsche genau eingegangen werden kann.

Björn Eichstädt interessiert sich für die neuesten Einsatzmöglichkeiten von Keramik.
J-BIG: Gibt es auch ganz neue Bereiche, in denen Keramik zukünftig zum Einsatz kommen wird?

Rafael Schröer: Da Keramik so viele Anwendungsmöglichkeiten bietet, ist es schwer zu sagen, was noch alles kommen wird. Doch der Fokus liegt zunehmend auf Keramik in Industrieanwendungen, und wir sind branchenübergreifend an der Entwicklung dieser neuen Problemlösungen beteiligt.

Ein vielversprechender neuer Bereich sind additive Fertigungsverfahren, also 3D-Druck für Keramik. Normalerweise benötigt man für Keramik eine Form, in der sie gepresst und gebrannt wird. Für kleinere Produktionsmengen rechnet sich das jedoch meist nicht. Für den Bereich Muster- und Kleinserienbau kommen die additiven Fertigungsverfahren schon zum Einsatz, die flexibler und schneller sind. Darüber hinaus ermöglicht der 3D-Druck aber auch die Herstellung komplexerer Geometrien und fast beliebiger kundenspezifischer Formen, die vorher nicht so einfach umsetzbar gewesen wären. Designmodifikationen lassen sich in Echtzeit am 3D-CAD-Modell vornehmen.

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J-BIG: Bei all diesen Neuentwicklungen: Wie arbeitet Kyocera denn intern gemeinsam an diesen Themen? Wie koordinieren Sie sich beispielsweise mit Japan?

Rafael Schröer: Wir pflegen einen sehr regen und engen Austausch – sowohl auf Managementebene als auch direkt über unsere zehn Produktdivisionen. Wir legen auch viel Wert auf den direkten Kontakt, das heißt, dass wir regelmäßig nach Japan reisen und japanische Kollegen uns hier besuchen, um wichtige Themen zu besprechen.

Neben Manfred Sauer und mir gibt es in der Geschäftsführung einen Europa-Chef: Kunihiko Ueki. Er berichtet der Zentrale in Japan über das komplette Europa-Geschäft. In den Produktdivisionen übernehmen diese Rolle häufig Expats, die in fast jeder Abteilung vertreten sind. Über die Jahre hinweg haben die Expats stets eine bedeutende Rolle in der Vermittlung zwischen Europa und Japan eingenommen. Durch unsere japanischen Kollegen hier vor Ort haben wir eine enge Anbindung an das Headquarter – allein schon wegen der Sprache.

Die Leitung der Produktdivisionen wird jedoch nach Möglichkeit durch Personal aus Europa besetzt, was erkennen lässt, dass unserem Firmensitz auch lokales Management und Lokalisierung wichtig sind. Da wir insgesamt sehr interkulturell aufgestellt sind, ist es uns wichtig, neuen Mitarbeitenden kulturelle Unterschiede zu vermitteln. Wenn ich neue Mitarbeitende in die Firma einführe, erkläre ich kulturelle Unterschiede zwischen der westlichen und der japanischen Welt. Bei unseren Einführungen erzähle ich den neuen Mitarbeitenden beispielsweise immer, dass wir als japanisches Unternehmen recht lange Entscheidungszeiten haben. Wenn aber eine Entscheidung gefällt ist, hat diese Bestand. Das heißt, Geduld ist eine wichtige Eigenschaft in unserem täglichen Geschäft. Hierin kann man unsere japanischen Wurzeln erkennen. Hinzu kommt noch unsere Unternehmensphilosophie, die für einen übergreifenden globalen Zusammenhalt in unserem Unternehmen sorgt.

J-BIG: Was besagt die Unternehmensphilosophie?

Rafael Schröer: Unser Gründer Dr. Inamori hat die Mitarbeitenden und die Gesellschaft in den Mittelpunkt unserer Zielsetzung gestellt. Diesen Ansatz hat er nach einer Auseinandersetzung mit jüngeren Mitarbeitenden etwa drei Jahre nach der Firmengründung entwickelt. Die Angestellten forderten mehr Gehalt, Kündigungsschutz und andere Vorteile und Sicherheiten. Dr. Inamori hat mehrere Tage lang mit ihnen gesprochen und ihnen erklärt, was er mit Kyocera und seinen Produkten erreichen möchte. Er konnte sie von seiner Vision eines weltweit führenden und innovativen Unternehmens überzeugen. Das Gespräch und die verständnisvolle Haltung der Mitarbeitenden haben ihn aber im Nachgang dazu bewegt, über den eigentlichen Sinn des Unternehmens nachzudenken. Er fragte sich, ob Know-how und Produkte alles sind. Er kam zu dem Schluss, dass es am Ende um die Mitarbeitenden und die Gesellschaft geht.

Unser übergeordnetes Motto lautet „Respect The Divine And Love People“ – „Respektiere das Göttliche und liebe die Menschen“. Dieser Ansatz basiert auf einem schintoistischen Sprichwort aus der Heimatregion von Dr. Inamori. Bei diesem Ansatz geht es jedoch nicht um einen Gott oder eine Religion. Es geht um Respekt vor der natürlichen Ordnung der Dinge und der Schönheit, die in dieser zu finden ist. Diese positive innere Haltung resultiert in einem fairen, ehrlichen und respektvollen Umgang – an erster Stelle natürlich innerhalb des Unternehmens, aber auch gegenüber unseren Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern und der Gesellschaft.

Der Grund für die Existenz von Kyocera ist in folgendem Grundsatz festgeschrieben: Möglichkeiten für die materielle und intellektuelle Entwicklung aller Mitarbeitenden zu schaffen und durch die gemeinsamen Anstrengungen zur Weiterentwicklung der Gesellschaft und der Menschheit beizutragen.

 

Auch die Unternehmensphilosophie trägt zum starken Zusammenhalt zwischen der Zentrale in Japan und der KYOCERA Europe GmbH bei.
Kyocera stellt seine Mitarbeitenden und die Gesellschaft ins Zentrum seiner Unternehmensphilosophie. Wie dies im Arbeitsalltag konkret umgesetzt wird, möchte Björn Eichstädt erfahren.

J-BIG: Wie zeigt sich das konkret im Arbeitsalltag?

Rafael Schröer: Seit der Gründung unseres Unternehmens vor mehr als 60 Jahren orientieren wir uns bei allem, was wir tun, an ethischem und transparentem Handeln und Verhalten. Das beginnt bei der Produktentwicklung, die sich an Nachhaltigkeit und gesellschaftlichem Nutzen orientiert. Das zeigt sich aber auch in unserer Einstellung und Kommunikation. Wir legen Wert auf Transparenz und eine ehrliche, direkte Kommunikation, untereinander und mit unseren Partnern. Faire Geschäftsbedingungen sind ein absoluter Grundstein, auf den wir alles aufbauen. Ich glaube, dass unser guter Ruf und unsere zufriedenen Kunden ein ebenso entscheidender Faktor für Kyoceras Wachstum und Erfolg waren wie unsere innovative Technologie.

Die positive Wirkung unserer Philosophie lässt sich sogar empirisch belegen. Unser Gründer Dr. Inamori wurde von Unternehmen in Kyoto in den 1980er Jahren gebeten, sein Wissen weiterzugeben. Daraufhin gründete er die Managementschule Seiwajyuku, die eine lange Erfolgsgeschichte hat. Zahlreiche Unternehmen konnten durch das Studium unserer Unternehmensphilosophie ihre Arbeit und ihren Umsatz verbessern. Dadurch ist unsere Philosophie über unser Unternehmen hinaus in ganz Japan, und sogar weltweit bekannt geworden.

J-BIG: In Japan, einem kulturell homogenen Land, fällt es den Mitarbeitern vermutlich leichter, sich an der Firmenphilosophie zu orientieren. Wie schafft es Kyocera, seine philosophischen und gesellschaftlichen Ansprüche auch über Japan hinaus zu transportieren und in den globalen Tochterunternehmen aufrechtzuerhalten?

Rafael Schröer: Tatsächlich habe ich den Eindruck, dass uns das gut gelingt. Ich bin seit 22 Jahren im Unternehmen und erlebe täglich, wie unsere Mitarbeitenden die Philosophie nicht nur in Japan, sondern auch in den Niederlassungen weltweit und selbstverständlich hier in Deutschland leben und tragen. Vor allem merkt man das am fairen und respektvollen Umgang miteinander. Der Schlüssel dafür ist, dass dieser Umgang von oben vorgelebt wird, also vom Top-Management und den Funktionen direkt darunter.

Damit das Management seine Vorbildfunktion erfüllen kann, gibt es spezielle Schulungen. Die Führungskräfte nehmen beispielsweise an Seminaren zur Management-Philosophie teil. Zusätzlich gibt es Schulungen für alle Mitarbeitenden, bei denen wir zusammenkommen, um die verschiedenen Grundsätze unserer Unternehmensphilosophie gemeinsam zu diskutieren.

Jeder neue Mitarbeitende bekommt eine Einführung in unser Unternehmen und unsere Werte. Wir haben bei Kyocera Europe eine eigene Abteilung für Philosophy Education. Uns liegt viel daran, unsere Mitarbeitenden für die Philosophie unseres Unternehmens zu begeistern. Dadurch dass unsere Philosophie eine eigene Abteilung hat, und nicht etwa im HR oder Admin untergebracht ist, hat sie eine höhere Sichtbarkeit und wird stärker wahrgenommen. Ich selbst leite diese Abteilung, da ich sehr positive Erfahrungen mit unserer Philosophie gemacht habe und unseren Mitarbeitenden ebenfalls die Möglichkeit geben möchte, eine positive Veränderung in ihrem Leben zu erfahren.

Rafael Schröer gibt ganz persönliche Einblicke, wie die Unternehmensphilosophie sein Leben verändert hat.
J-BIG: Was hat sich in ihrem eigenen Leben verändert, nachdem sie bei Kyocera angefangen haben und die Philosophie kennengelernt haben?

Rafael Schröer: In unserer Unternehmensphilosophie gibt es eine Formel für den Erfolg. Dieser ergibt sich aus drei Faktoren, die miteinander multipliziert werden: Erstens ist da die Attitude, also die innere Einstellung, zweitens die Fähigkeiten und drittens der geleistete Einsatz. Jeder von uns hat Fähigkeiten und bringt mehr oder weniger Einsatz. Diese beiden Faktoren sind immer positiv. Die Attitude kann jedoch positiv oder negativ sein. Und wenn sie negativ ist, dann ist auch das ganze Ergebnis negativ. Das hat mir damals die Augen geöffnet.

2003, als ich, sehr kurz nach Eintritt ins Unternehmen, erstmals an einem der Philosophie-Seminare des Unternehmens teilgenommen habe (, das tatsächlich von einem der Mitbegründer des Unternehmens geleitet wurde), ist mir durch die Schulung bewusst geworden, dass ich zu der Zeit im Alltag oft eine zu negative Einstellung hatte. Ich habe mich oft über alles und jeden aufgeregt. In meinem Kopf waren alle inkompetent und ich der Einzige, der wusste, wie es richtig funktioniert. Diese negative Energie habe ich auch auf meine Familie übertragen. Die Unternehmensphilosophie hat mich quasi wachgerüttelt. Ich habe begonnen, das große Ganze in den Blick zu nehmen. Durch mein Umdenken und die Umstellung auf eine positive Grundhaltung hat sich mein Leben massiv zum Positiven verändert. Heute ist mir bewusst, dass vermutlich auch meine Ehe gescheitert wäre, wenn ich nicht durch die Arbeit bei Kyocera zu einem Umdenken geführt worden wäre. Ich verdanke diesem Unternehmen also deutlich mehr als bloß meine berufliche Entwicklung.

Kyocera möchte auch weiterhin einen Mehrwert für die Gesellschaft leisten. Auch in Deutschland gibt es noch viele Möglichkeiten, mit Keramik einen Beitrag zu leisten.
J-BIG: Wie sehen Sie die Zukunft von Kyocera hier in Deutschland?

Rafael Schröer: Keramik bietet viele Anwendungsmöglichkeiten, sodass sich immer wieder neue Innovationsmöglichkeiten ergeben. Die erwähnte additive Keramik, also der 3D-Druck von Keramikkomponenten, ist ein gutes Beispiel dafür. Ein weiterer spannender Bereich, der gerade entsteht, ist die Unterwasserkommunikation – Underwater Wireless Optical Communication, kurz UWOC. Hierbei handelt sich um eine hochmoderne Technologie, die eine schnelle und störungsarme Datenübertragung in Unterwasserumgebungen ermöglicht. Dabei werden lichtbasierte Signale, typischerweise Laser oder LEDs, anstelle herkömmlicher akustischer oder Hochfrequenzmethoden verwendet.

Eine zentrale Herausforderung bleibt es jedoch, in Deutschland und Europa noch bekannter zu werden und der Industrie zu zeigen, was Keramik alles kann. Wir sehen hier noch sehr viele Chancen und haben deshalb vor ca. fünf Jahren zwei weitere Produktionsstandorte in Deutschland gekauft. Mit unserem breiten Produktportfolio und dem langfristigen Engagement sind wir zuversichtlich, in Deutschland bestens für die Zukunft gerüstet zu sein. Unser Ziel bleibt es, durch innovative Keramiklösungen auch weiterhin einen Beitrag zur Fortentwicklung der Gesellschaft zu leisten – ganz im Sinne unserer Unternehmensphilosophie.

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